Die Tür ist offen. Genannt wird trotzdem ein anderer.
Im Juni haben wir in unserem Index geschrieben: Wer unter 40 von 100 Punkten liegt, ist für KI unsichtbar. Das klang schlüssig. Es war unsere Technik-Messung, und wir haben sie als Sichtbarkeit gelesen.
Seitdem haben wir etwas gemacht, was wir im Juni noch nicht hatten. Wir haben nicht nur die Websites gescannt. Wir haben gezählt, was die KI tatsächlich antwortet.
481 Websites aus unseren Audits, technisch gescannt, Mai bis Oktober. 202 Marken, deren Nennung wir in KI-Antworten gezählt haben, in 13 Studien. ChatGPT, Claude und Perplexity, über die offiziellen Schnittstellen, mit Fragen ohne Markennamen. „Welche Kfz-Versicherung ist gut?“ statt „Was bietet Versicherer X?“
Das Ergebnis hat die Juni-These nicht bestätigt. Es hat sie umgedreht.
Wie oft ist die Tür wirklich zu?
Die erste Frage an eine Website ist: Kommen die KI-Bots überhaupt rein? Das ist Sache der IT. Hier die Zählung über 481 Domains.
5 Websites sperren per robots.txt die Bots, die live für eine Antwort abrufen, also ChatGPT-User oder PerplexityBot. Das ist 1 Prozent.
13 Websites sperren GPTBot, den Bot für Trainingsdaten. 2,7 Prozent. Irgendeinen KI-Bot sperren 19 Websites, 4 Prozent.
Im Juni stand in unserem Index, rund ein Drittel sperre GPTBot. Das stimmt in keiner unserer Zählungen. Auch nicht im Mittelstand: In einem Zensus über 795 mittelständische Firmen-Websites aus einer deutschen Region sperren 3,1 Prozent einen KI-Bot. Ahrefs kommt für zufällig gezogene Hosts aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf 2,3 Prozent. Die Blockier-Erzählung trägt nicht.
Was es gibt, ist etwas anderes. Bei 57 Websites (12 Prozent) kommt unsere eigene Prüfsonde nicht durch: Firewall, Browser scheitert, Seite nicht erreichbar. Bei weiteren 80 (17 Prozent) verfälscht die Technik, was ein Bot liest: Inhalt entsteht erst per JavaScript, jede Adresse landet auf der Startseite, die Firewall verändert die Daten. 255 Websites (53 Prozent) sind technisch sauber.
Aber Vorsicht mit der Deutung. Von 11 Websites, bei denen unsere Sonde nicht durchkam und die wir in KI-Antworten gemessen haben, werden 8 trotzdem genannt. Dahinter stehen große Marken hinter Firewalls, die für unsere Sonde zu sind und für ChatGPT offen.
Das deutlichste Beispiel ist test.de, die Seite der Stiftung Warentest. Ihre robots.txt sperrt ChatGPT-User, GPTBot und ClaudeBot. Trotzdem steht test.de in unseren Messungen 22-mal bei ChatGPT, 29-mal bei Claude und 117-mal bei Perplexity unter den Quellen. Eine Sperre in der Datei ist keine Unsichtbarkeit in der Antwort. Der Such-Bot von ChatGPT, OAI-SearchBot, steht nicht in der Sperrliste. Und was andere über test.de schreiben, liest die KI sowieso.
Gute Technik, kaum genannt. Schwache Technik, oft genannt.
Jetzt die zweite Frage. Wenn die Tür offen ist, hilft gute Technik dann, genannt zu werden?
Ein Möbelhersteller mit 76 von 100 Punkten, bester Technik-Wert in seinem Vergleich: genannt in 3 von 36 Antworten.
Ein Technologiekonzern mit 23 von 100: genannt in 84 von 108 Antworten.
Ein Designmöbel-Hersteller mit 8 von 100: genannt in 16 von 36.
Und unsere eigene Website, 96 von 100, der beste Wert im ganzen Archiv: genannt in 0 von 37. Ja. Das gehört dazu.
Über alle 80 Messungen hinweg, bei denen wir Technik-Score und Nennung nebeneinander haben, liegt der Zusammenhang bei 0,07. Null hieße: kein Zusammenhang. Eins hieße: beide Werte steigen immer gemeinsam. 0,07 ist nichts. Wir haben es auf vier Arten gerechnet, je Messung, je Domain, innerhalb der einzelnen Studien, ohne unsere eigene Website. Es bleibt bei 0,05 bis 0,14.
Noch deutlicher: Die Websites, bei denen unsere Sonde abgewiesen wurde, werden am häufigsten genannt. Im Mittel in 26 Prozent der Antworten. Die technisch sauberen in 19 Prozent.
Bessere Technik geht in unseren Daten nicht messbar mit mehr Nennungen einher.
Woher die KI ihre Quellen holt
Die dritte Frage erklärt die ersten beiden. Wenn ChatGPT oder Perplexity eine Antwort schreiben, stellen sie Links darunter. Wir haben 12.894 davon ausgewertet, aus 13 Studien. 9.407 stammen aus Fragen ohne Markennamen.
Von diesen 9.407 Quellen kommen 3,5 Prozent von der Website der Marke, um die es in der Studie ging. 14,8 Prozent kommen vom Wettbewerber. 81,5 Prozent kommen von Dritten.
Woher die KI ihre Quellen holt, wenn niemand nach der Marke fragt
| Herkunft | Quellen | Anteil |
|---|---|---|
| Dritte | 7.663 | 81,5 % |
| Wettbewerber | 1.392 | 14,8 % |
| Eigene Website der Marke | 333 | 3,5 % |
| Konzern- und Länderdomains | 19 | 0,2 % |
Wer sind die Dritten? Medien und Presse, 22 Prozent. Hersteller, Partner und Händler, 20 Prozent. Vergleichsportale und Verzeichnisse, 17 Prozent. Berater, Agenturen und Blogs, 9 Prozent. Behörden und Verbände, 4 Prozent. Foren, Social Media und Video, 3 Prozent. Wikipedia, 1 Prozent.
Die 3,5 Prozent sind dabei noch geschmeichelt. 272 der 333 eigenen Quellen stammen von einem einzigen Elektronikhändler mit vielen Produktseiten. Ohne ihn liegt der eigene Anteil bei 1 Prozent.
Fragt jemand direkt nach der Marke, dreht sich das Bild ein Stück. Dann stellt die eigene Website 21 Prozent der Quellen. Bei der Frage „Was bietet Firma X?“ liest die KI also bei Firma X nach. Bei der Frage „Wer ist gut?“ liest sie bei anderen.
Und selbst wenn die Marke genannt wird, fehlt ihre Website oft unter den Quellen. In 4 von 10 Antworten mit Nennung steht keine eigene Seite dabei. Der Name kommt von anderswo.
Das ist, als würden Sie Ihr Schaufenster perfekt dekorieren. Während die Kunden im Café nebenan entscheiden, in welchen Laden sie gehen.
Wir sind nicht die Einzigen, die das sehen. Muck Rack hat über 25 Millionen Links aus KI-Antworten ausgewertet: 84 Prozent Earned Media, also Erwähnungen auf fremden Seiten. Ahrefs findet für ChatGPT: Erwähnungen der Marke im Netz hängen mit 0,66 an der Sichtbarkeit, die Stärke der eigenen Domain nur mit 0,27.
Was das für die Schwelle von 40 bedeutet
Unser Technik-Score misst, wie gut Maschinen eine Website lesen können. Das misst er weiterhin, und das ist wichtig. Was er nicht misst, ist Sichtbarkeit. Die Deutung aus dem Juni, Score unter 40 heiße KI-unsichtbar, halten wir nicht mehr.
Das gilt auch für einzelne Hebel, die wir im Juni groß gemacht haben. Die llms.txt zum Beispiel. 21 Prozent unserer Audit-Domains haben eine, im Mittelstands-Zensus sind es 11 Prozent. Von den echten Dateien dort sind 44 Prozent kuratiert, 38 Prozent automatisch erzeugte Linklisten, 18 Prozent leere Stubs. Eine Datei haben ist nicht eine Stimme haben. Und SE Ranking findet in 129.000 Domains keinen messbaren Effekt der llms.txt auf ChatGPT-Zitate.
Die ehrliche Einordnung
Unsere Auswahl ist nicht zufällig. Große Marken, Konzerne und Versicherer sind überrepräsentiert.
Jede Studie hatte eigene Fragen. Raten sind nur innerhalb einer Studie vergleichbar, nicht zwischen Studien.
Die Schnittstelle ist nicht die App. Was ChatGPT einem Nutzer im Browser antwortet, kann abweichen.
„Genannt“ heißt nur, dass der Name in der Antwort steht. Ob die KI die Marke auch empfiehlt, haben wir nicht geprüft.
80 Messungen sind wenig. Innerhalb einer Studie sind es 4 bis 11 Domains. Ein kleiner Technik-Effekt wäre damit nicht nachweisbar.
Gemini, Grok, DeepSeek und Cohere haben wir nicht ausgewertet. Gemini sucht mit Google, das verwischt die Frage, was die KI selbst findet. Die anderen sind in unseren Audits nicht freigegeben.
Und ein schwaches Indiz spricht für die Technik: Je besser der Score, desto etwas häufiger steht die eigene Website unter den Quellen. Der Wert liegt bei 0,21 und ist nicht belastbar. Wir nennen ihn trotzdem.
Korrelation ist nicht Kausalität. Es ist kein fertiger Beweis. Aber es ist mehr als eine Vermutung.
Was wir Kunden jetzt sagen
Die IT entscheidet, ob die Bots hereinkommen. In rund drei von zehn Audits stoppt oder verfälscht die Technik, was eine KI lesen kann. Das ist ein echter Auftrag, und er ist schnell und prüfbar. Wer die Tür nicht aufmacht, braucht über Reichweite nicht zu reden.
Die Redaktion entscheidet, was die KI auf der eigenen Seite findet. Das zählt vor allem bei Fragen direkt zur Marke. Dort stellt die eigene Website jede fünfte Quelle.
PR und Marketing entscheiden, ob die KI die Marke nennt, wenn niemand nach ihr fragt. Denn dann holt sie 96 von 100 Quellen von anderen.
Drei Zuständigkeiten, eine Reihenfolge. Erst die Tür. Dann die eigenen Fakten. Dann das, was andere schreiben. Wer nur die erste Stufe baut, hat ein sauberes Haus, in das niemand hineinschaut.
Probieren Sie es selbst
Fragen Sie ChatGPT oder Perplexity nach Ihrer Branche. Ohne Ihren Namen. „Welcher Anbieter für X ist empfehlenswert?“
Klicken Sie auf die Quellen unter der Antwort. Zählen Sie, wie viele davon Ihnen gehören.
Und dann die Frage, die in den meisten Firmen niemand beantworten kann: Wer kümmert sich darum? Die IT, das Marketing, oder niemand?
Häufige Fragen
Sascha Deforth ist Gründer von TrueSource AI und GEO Practitioner. Er hat VibeTags™, das Agentic Reasoning Protocol (ARP) und den AI Visibility Index entwickelt. Mit über 550 AI-Sichtbarkeits-Audits seit 2024 baut er die Methodik, nach der Unternehmen ihre KI-Sichtbarkeit systematisch aufbauen können. LinkedIn →