Die Maschine beschreibt Ihre Firma besser als Sie selbst
Am 18. Oktober 2026 habe ich 2.971 deutsche Firmen-Websites gescannt. Die Liste kommt aus Wikidata, Sitz in Deutschland, eigene Website. Für jede erreichbare Firma habe ich mir danach zwei Sätze angesehen. Den einen hat die Firma geschrieben. Den anderen eine KI.
Der Satz der Firma ist ihr Titel-Tag. Das ist die Zeile im Browser-Reiter, in jedem Suchergebnis, in jedem geteilten Link. Eine Maschine liest sie zuerst. Oft behält sie nur diese.
Der zweite Satz stammt von Perplexity. Ich habe Perplexity genommen, weil es live im Netz sucht und seine Quellen nennt; was es schreibt, lässt sich nachprüfen. Die Frage lautete: „Was ist diese Firma und was bietet sie an?“ Eine Frage, ein Lauf, 2.398 Antworten.
Was die Firmen schreiben
2.398 Websites haben beim Scan geantwortet. 44 davon haben gar keinen Titel. 428 schreiben „Startseite“, „Home“ oder „Willkommen“, gern mit Firmenname davor. 317 schreiben nur ihren Namen, drei Wörter oder weniger, manchmal mit Rechtsform. Zusammen ist das jede dritte Firma.
Ein Titel wie „Home | Firma GmbH“ sagt einer Maschine: Hier ist eine Firma, sie heißt so, sie hat eine Startseite. Was sie macht, steht nicht drin. Nur 593 von 2.398 Titeln enthalten überhaupt ein Wort, das eine Branche oder ein Angebot nennt. Versicherung, Software, Logistik, Maschinen, irgendetwas.
1.208 Firmen nutzen das Muster „Name | Claim“. Das ist das Beste in der Stichprobe. Selbst dort steht oft nur „Ihr Partner für Lösungen“, ein Satz, der auf jede Firma passt und deshalb über keine etwas sagt.
Was die Maschine schreibt
Perplexity antwortet im Schnitt mit 374 Zeichen. Der erste Satz hat 18 Wörter. In 1.257 von 2.398 Fällen steht darin schon, was die Firma macht. Jeder zweite erste Satz, gegen jeden vierten Titel.
438 Antworten nennen das Gründungsjahr. 375 nennen den Sitz. Die Maschine hat das nicht erfunden. Sie hat es auf der Website gelesen oder in einem Register, in einem Zeitungsartikel, in einem Branchenverzeichnis, und sie hat es zusammengetragen, weil die Firma es nicht getan hat.
Sie schreibt nüchtern. „Familiengeführt“ kommt 112-mal vor, „führend“ 101-mal, „Marktführer“ viermal. Die Broschüren-Wörter, mit denen Firmen sich gern beschreiben, filtert die KI fast vollständig heraus. Übrig bleibt: wer, wo, seit wann, was.
Warum das keine Entwarnung ist
Man könnte sagen: Prima, die KI macht die Arbeit. Die Firma muss ihren Titel nicht pflegen, die Maschine beschreibt sie ohnehin richtig. Das war auch mein erster Gedanke. Er stimmt zur Hälfte. Perplexity hat 99 Prozent der Firmen richtig erkannt, egal wie dürftig die Website war.
Die andere Hälfte ist das Problem. Die Maschine beschreibt die Firma so, wie sie sie vorfindet. Schweigt die Website, nimmt sie den Zeitungsartikel von 2019. Nennt der Organisationsblock im Quelltext noch die alte Tochtergesellschaft, nennt sie die alte Tochter. Bei 124 von 819 Firmen mit Organisationsblock steht dort ein anderer Name als der im Register: Konzernmutter statt Marke, Marke statt Gesellschaft, Tochter statt Gruppe, einmal schlicht „Germany“. Die Maschine ist nicht klüger als ihre Quelle. Sie ist nur fleißiger.
Wer seine Firma der Maschine überlässt, bekommt eine Beschreibung, die stimmt, solange nichts passiert. Nach der Fusion stimmt sie nicht mehr. Nach dem neuen Produkt auch nicht. Und niemand merkt es, weil niemand nachfragt.
Was ein Titel-Tag heute leisten muss
Vier Dinge, keines davon ist Technik. Er nennt die Firma. Er nennt, was sie macht, in Wörtern, die ein Kunde benutzen würde. Er nennt den Ort, wenn der Ort etwas bedeutet. Und er lässt „Home“ weg. „Home | Firma GmbH“ ist eine Lücke, und die Maschine füllt sie mit dem, was sie findet.
Dasselbe gilt für den Rest der Seite. Nur 36 Prozent der 2.398 Firmen haben einen maschinenlesbaren Firmeneintrag im Quelltext. 13 Prozent zeichnen ihre Produkte so aus, dass eine Maschine sie als Produkte erkennt. Der Titel ist die erste Zeile dieser Geschichte.
Was ich daraus gelernt habe
Ich hatte erwartet, dass sauberes Markup zu besseren KI-Antworten führt. Dafür fand ich in dieser Messung keinen Beleg. Die Maschine kennt die Firma so oder so. Gefunden habe ich etwas anderes: Die Firmen, die sich selbst am schlechtesten beschreiben, sind diejenigen, deren Bild die Maschine am freiesten zusammensetzt. Sichtbar sind sie. Die Kontrolle haben sie abgegeben.
Die Methode steht offen. Der Scan lief von einem deutschen Anschluss, Quelltext ohne JavaScript, Startseite plus bis zu sechs Produktseiten je Firma; mehr Seiten hätten den Lauf von einer Stunde auf einen Tag verlängert, ohne die Zahlen zu bewegen. Branchenzahlen gelten für die 1.195 Firmen, für die Wikidata eine Branche kennt. Die nächste Messung läuft im Januar.
Häufige Fragen
Sascha Deforth ist Gründer von TrueSource AI und GEO Practitioner. Er hat VibeTags™, das Agentic Reasoning Protocol (ARP) und den AI Visibility Index entwickelt. Mit über 550 AI-Sichtbarkeits-Audits seit 2024 baut er die Methodik, nach der Unternehmen ihre KI-Sichtbarkeit systematisch aufbauen können. LinkedIn →